AMNESTY INTERNATIONAL: «Ungesetzlich und tödlich»

28.03.15

«Bewaffnete palästinensische Gruppierungen töteten Im Gaza-Konflikt Zivilisten beider Seiten in Angriffen, die Kriegsverbrechen darstellen»

Amnesty International hat unter dem Titel „Unlawful And Daedly“ einen 67-seitigen Bericht über die Raketen- und Möserangriffe der «palästinensischen bewaffneten Gruppierungen» während des Gaza-Konflikts im Sommer 2014 veröffentlicht.

Amnesty International führt im Bericht u.a. aus:

Bewaffnete palästinensische Gruppen offenbarten eine flagrante Geringschätzung des Lebens von Zivilisten, indem sie während des Konflikts im Juli und August 2014 konstant und wahllos Raketen und Mörsergranaten gegen zivile Gebiete in Israel schossen.

Ungesetzlich und tödlich: Raketen- und Mörserangriffe durch bewaffnete palästinensische Gruppen während des 2014 Gaza/Israel-Konflikts liefern den Beweis dass verschiedene Attacken aus dem Gazastreifen auf Kriegsverbrechen hinauslaufen. Sechs Zivilisten in Israel, darunter ein 4 Jahre alter Junge, wurden durch solche Angriffe während des 50 Tage dauernden Konflikts getötet.

«Bewaffnete palästinensische Gruppen, inklusive der bewaffnete Arm der Hamas, führten oft gesetzeswidrige Angriffe während des Konfliktes aus, die zum Tod und zu Verletzungen von Zivilisten führten. Diese Attacken stellen eine flagrante Missachtung des internationalen humanitären Rechts dar», führt Philip Luther, Direktor der Programme im Mittleren Osten und Nordafrika von Amnesty International aus.

All diese durch bewaffnete palästinensische Gruppen verwendeten Raketen sind unlenkbare Projektile, die nicht gegen bestimmte Ziele gerichtet werden können und deshalb wahllos treffen. Der Einsatz solcher Waffen ist durch das internationale Recht verboten; ihr Einsatz stellt ein Kriegsverbrechen dar. Auch Mörsergranaten sind unpräzise Waffen und dürfen nie zum Angriff auf militärische Ziele in oder in der Nähe von zivilen Gebieten eingesetzt werden.

«Bewaffnete palästinensische Gruppen müssen alle Angriffe auf Zivilisten und wahllosen Angriffe einstellen. Sie haben alles daran zu setzen, Zivilisten im Gazastreifen vor den Folgen solcher Angriffe zu schützen. Die Positionierung von Kämpfern und Waffen in oder in der Nähe dicht besiedelter Gebiete sind mit allen Mitteln zu vermeiden», führt Philip Luther aus.

Gemäss Angaben der UNO wurden während des Konflikts mehr als 4800 Raketen und 1700 Mörsergranaten aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Von den tausenden Raketen und Mörsergranaten haben schätzungsweise 224 israelische bewohnte zivile Gebiete getroffen, während das israelische Raketenabwehrsystem «Iron Dome» zahlreiche weitere abgegangen hat.

Der Tod von Daniel Tregerman, eines vierjährigen Jungen, am 22. August 2014 zeigt klar die tragischen Konsequenzen des Einsatzes solcher unpräziser Waffen wie Mörsergranaten in zivilen Gebieten auf. Die Familie war wegen des Beschusses aus ihrem Zuhause im Kibbuz Nahal Oz geflohen, aber am Tag vor der Tötung des Knaben zurückgekehrt. Nur einen Moment nachdem der Alarm ausgelöst worden war schlug eine Granate in das Auto der Familie ein, das vor dem Haus stand. Splitter, die ins Haus drangen, trafen Daniel am Kopf und töteten ihn unverzüglich. Seine kleine Schwester sah ihn vor ihren Augen sterben.

Die Kassam-Brigaden, der militärische Arm der Hamas, bekannte sich zu diesem Angriff.

Narakorn Kittiyangkul, ein Landwirtschaftsarbeiter aus Thailand, ist ein weiteres ziviles Opfer von Attacken aus dem Gazastreifen. Er wurde durch eine Mörsergranate getroffen, die in einer Tomatenplantage in Südisrael einschlug, wo er beschäftigt war. Ze’ev Etzion and Shahar Melamed wurden im Kibbuz Nirim am 26. August durch eine Mörsergranate getötet.

Beim tödlichsten Zwischenfall dieser den Palästinensern zugeschriebenen Attacken wurden am 28. Juli 2014 13 palästinensische Zivilisten, darunter 11 Kinder getötet, als ein Projektil, das im Gazastreifen abgefeuert worden war, neben einem Supermarkt im dicht besiedelten al-Shati-Flüchtlingslager niederging. Kinder hatten auf der Strasse gespielt.

Obwohl die Palästinenser geltend machten, das israelische Militär sei für den Angriff verantwortlich, haben unabhängige Munitionsexperten, die den Ort im Auftrag von Amnesty International inspizierten, festgestellt, dass es sich um eine palästinensische Rakete handelte.

Im Bericht werden weitere Verletzungen des internationalen humanitären Rechts durch bewaffnete palästinensische Gruppen aufgelistet, wie das Lagern von Raketen und anderer Munition in zivilen Gebäuden, inklusive UNO-Schulen und das Abfeuern von Raketen und das Lagern von Munition an Orten, in denen hunderte vertriebene Zivilisten Schutz gesucht hatten.

Dennoch sei die israelische Reaktion «ungerechtfertigt» gewesen, heisst es in dem Bericht weiter. Die Verletzung von Menschenrechten auf der einen Seite erlaube nicht das gleiche auf der anderen. In einem früheren Bericht hatte «Amnesty International» auch Israel Kriegsverbrechen vorgeworfen.

Gemäss «Israelnetz» begrüsste die israelische Botschaft in London, dass «Amnesty International» auf die Kriegsverbrechen der Hamas aufmerksam gemacht habe. «Anders als die Hamas untersucht Israel seine Vorgehensweise gründlich, um daraus zu lernen und zivile Opfer so gering wie möglich zu halten. Unterdessen fährt die Hamas mit Terrorangriffen gegen israelische Bürger fort. Sie brüstet sich damit, neue grenzübergreifende Angriffstunnel zu bauen und testet Raketen, um sich auf weitere Gewalt gegen Israelis vorzubereiten.»

Die Hamas soll den Bericht zurückgewiesen haben. Das führende Hamas-Mitglied Salah al-Barwadil habe von einem «Massaker an der Gerechtigkeit» gesprochen. Der Bericht zeige, dass Amnesty International «dem israelischen Terrorismus diene». Die Palästinenser würden nicht töten, sondern sich nur selbst verteidigen.


*) Im Bericht werden die palästinensischen Terrororganisationen durchwegs als «bewaffnete palästinensische Gruppen» bezeichnet.


Raketen- und Mörserangriffe durch bewaffnete palästinensische Gruppen während des Gaza/Israel-Konflikts 2014
Medienmitteilung von Amnesty International vom 26.3.2015
Nur auf Französisch und Englisch verfügbar

«Des groupes palestiniens ont tué des civils des deux camps dans des attaques constituant des crimes de guerre en 2014»
Communiqué de presse, 26 mars 2015

«Palestinian armed groups killed civilians on both sides in attacks amounting to war crimes in Gaza conflict»
Press release, 26 March 2015

«Unlawful and Deadly», Report, 26 March 2015

 

 

 

Zurück