Grümpelturnier, einmal anders
05.01.12
Neue Zürcher Zeitung, 5. Januar 2012
George Szpiro, Jerusalem • Am Weihnachtstag, der zwar für Juden und Muslime keinen Feiertag darstellt, dieses Jahr aber auf einen Sonntag fiel, hat in Holon, einer Vorstadt von Tel Aviv, ein Grümpelturnier besonderer Art stattgefunden. Organisiert wurde das Fussballturnier, an dem jüdische und arabische Jugendliche aus Israel sowie arabische Jugendliche aus Jordanien und den palästinensischen Gebieten teilnahmen, vom israelischen Ministerium für regionale Kooperation in Zusammenarbeit mit dem Tel Aviver Fussballklub Hapoel. Damit Siegeswillen und Konkurrenzdenken dem Friedensgedanken, der dem Turnier zugrunde lag, nicht in die Quere kämen, spielten die zwischen sechs und achtzehn Jahre alten Fussballer nicht gegen-, sondern miteinander: Die Mannschaften waren gemischt, um unter den Jugendlichen Teamgeist und gegenseitiges Vertrauen zu fördern. Somit gab es bei diesem Turnier nur Gewinner.
Die Teilnehmer aus Jordanien waren zusammen mit ihren Eltern für das dreitägige Wochenende mit Autobussen nach Israel gekommen, die jungen Palästinenser kamen bloss am Sonntag für das Turnier nach Israel. Die Grenzübertritte stellten für einmal kein Problem dar, da der Minister für regionale Kooperation, Silvan Shalom, für einen reibungslosen Ablauf gesorgt hatte.
Die Sprache des Fussballs sei, wie die Organisatoren mitteilten, ein gutes Mittel, die Zusammenarbeit unter Kindern und Jugendlichen zu propagieren. Es ist das erklärte Ziel des «Erziehungs- und Sozialprojekts» des Fussballklubs Hapoel, junge Leute durch sportliche Betätigung nicht nur zu persönlichen Hochleistungen, sondern auch zu gemeinschaftlichen Erfolgen anzuspornen und zu Toleranz zu erziehen. Shalom erklärte bei der Abschlussfeier, dass junge Leute für den Nahen Osten die Hoffnung auf eine bessere Zukunft darstellten. Das Fussballturnier, das unter dem Namen «Die Nachbarn kennenlernen» lief und dieses Jahr noch zweimal stattfinden soll, biete Jugendlichen eine einzigartige Gelegenheit, Kontakt zueinander zu finden.

