Umbruch in Nahost

28.12.17

von Joschka Fischer
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2017

Joschka Fischer

Das Ringen zwischen Iranern und Saudi-Arabern mischt den Palästinakonflikt auf. Es könnte die Zweistaatenlösung kippen.

Wir leben in einer Zeit des Übergangs. Global schickt sich China an, die Vereinigten Staaten als Führungsmacht abzulösen oder zumindest zum Partner in der Führung zu werden. Und auch im Nahen und Mittleren Osten verschieben sich die bisher bekannten Parameter seiner Ordnung oder besser: seiner Konflikte. Ziemlich genau hundert Jahre nach dem Sykes-Picot-Abkommen, durch das die beiden europäischen Kolonialmächte Frankreich und Großbritan-nien den post-osmanischen Nahen Osten unter sich aufteilten und dessen Grenzen entspre-chend ihrer Interessen zogen, die bis heute gültig sind, mehren sich die Anzeichen, dass sich die Ordnung der Region und die Einordnung der Konflikte zu ändern beginnt.

Seit 1948, seit der Gründung des Staates Israel und dem ersten israelisch-arabischen Krieg - den Israel gewann wie alle anderen, die danach kamen -, hat dieser Konflikt die Region do-miniert und strukturiert. Eine der großen Fragen der Weltpolitik lautete seither, ob, und wenn ja wie und vor allem wann, es gelingen könnte, einen tragfähigen Ausgleich zwischen Israel und den Palästinensern zu erreichen, um so den Nahen Osten zu befrieden.
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